SOUVERÄN GRÜNDEN

Kapitel 03

Website ohne Lock-in

Was der Baukasten wirklich kostet, warum Miete und Eigentum auch bei Websites ein Unterschied sind und welche Wege für ein EPU realistisch sind.

4 min Lesezeit

Die Website ist die Stelle, an der die meisten Gründungen vom Eigentum in die Miete rutschen, ohne es zu merken. Der Grund ist verständlich: Am Anfang muss schnell irgendwas online, das Budget ist klein, und Wix, Squarespace und Jimdo versprechen genau das. In einer Stunde online, ab ein paar Euro im Monat, kein technisches Wissen nötig. Das Versprechen stimmt sogar. Nur der Preis steht woanders.

Was der Baukasten kostet, wenn man ehrlich rechnet

Die Miete selbst. Ein Business-Tarif liegt je nach Anbieter bei 15 bis 40 EUR im Monat, mit Shop-Funktionen auch darüber. Über fünf Jahre sind das 900 bis 2.400 EUR, für die dir am Ende genau nichts gehört. Der Betrag allein wäre verkraftbar, wenn er das einzige Problem wäre.

Der Exit. Das ist das eigentliche Problem. Baukasten-Inhalte stecken in einem proprietären System. Es gibt praktisch keinen brauchbaren Export: Texte kannst du herauskopieren oder bestenfalls als rohe XML-Datei ziehen (Squarespace), Design, Struktur und Sammlungen bleiben in jedem Fall zurück. Ein Umzug ist deshalb praktisch immer eine komplette Neuentwicklung. Genau solche Befreiungen sind ein Teil meiner täglichen Arbeit, und sie kosten ein Vielfaches dessen, was eine unabhängige Website am Anfang gekostet hätte. Der Baukasten verlagert die Kosten vom Anfang ans Ende und schlägt dabei kräftig auf.

Die Nebenwirkungen. Baukasten-Seiten laden träge, und die Ladezeit ist bei Google ein Rankingfaktor. Dazu wohnst du zur Untermiete: Preiserhöhungen, Funktionsänderungen und im Extremfall Kontosperren passieren über deinen Kopf hinweg.

Falls du Kapitel 2 gelesen hast, kennst du außerdem die schlimmste Variante des Problems schon: die „Gratis-Domain” aus dem Baukasten, die in Wahrheit dem Baukasten gehört. Wer die zwei kombiniert, hat Adresse und Inhalte in fremder Hand.

Das Gegenmodell: Inhalte, die dir gehören

Die souveräne Variante dreht das Verhältnis um: Deine Inhalte liegen als einfache Textdateien (Markdown) bei dir, ein Generator baut daraus eine fertige Website, und die legst du auf irgendeinen Webspace. „Statische Website” heißt das Modell, Astro und Hugo sind die bekanntesten Werkzeuge dafür.

Was das praktisch bedeutet:

Tauschbar an jeder Stelle. Der Hoster gefällt dir nicht mehr? Die fertigen Dateien laufen auf jedem Webspace der Welt, der Umzug ist eine Sache von Minuten. Das Werkzeug gefällt dir nicht mehr? Die Markdown-Texte nimmst du mit.

Schnell und wartungsfrei. Statische Seiten sind schlicht fertige Dateien. Es gibt keine Datenbank, die gehackt werden kann, keine Plugins, die Updates wollen, und Ladezeiten, bei denen Google-Bestwerte der Normalfall sind statt ein Projekt.

Billig. Das Hosting kostet zwischen null und ein paar Euro im Monat, etwa auf dem Webspace, der bei deinem Registrar ohnehin dabei ist.

Die ehrliche Einschränkung: Eine statische Website baut sich für Laien seltener „in einer Stunde zusammenklicken”. Entweder du bringst die Neugier mit, es selbst zu lernen (die Werkzeuge sind heute erstaunlich zugänglich), oder du beauftragst den Aufbau einmal und pflegst danach nur noch Inhalte. Einmalig ein paar tausend Euro für etwas, das dir gehört, gegen ein Abo, das nie endet: Diese Rechnung gewinnt das Eigentum fast immer, sie braucht nur das Budget am Anfang.

Die realistische Treppe für ein EPU

Nicht jede Gründung hat am Tag 1 das Budget für eine entwickelte Website. Dafür gibt es eine saubere Treppe, bei der keine Stufe deine Zukunft verbaut:

Stufe 0, ab dem ersten Tag: Eigene Domain (Kapitel 2) mit einer Ein-Seiten-Visitenkarte: Wer du bist, was du machst, wie man dich erreicht, Impressum. Das ist mit jedem Werkzeug ehrlich machbar und schlägt jede „coming soon”-Ausrede.

Stufe 1, das solide Mittelfeld: WordPress bei einem EU-Hoster. Open Source, riesiges Ökosystem, und vor allem: exportierbar und umziehbar. WordPress bringt eigene Pflegepflichten mit (Updates, Plugins, Sicherheit), aber es hält dich an keiner Stelle fest. Für Seiten, die häufig von Nicht-Technikern befüllt werden, ist es weiterhin eine ehrliche Wahl.

Stufe 2, das Ziel: Statische Website wie oben beschrieben. Spätestens beim ersten Redesign lohnt der Umstieg fast immer.

Und der Baukasten? Er ist als bewusst befristetes Provisorium vertretbar, unter zwei Bedingungen: Die Domain gehört dir und liegt in deinem Account, und du behandelst die Inhalte von Anfang an so, als müsstest du sie nächstes Jahr mitnehmen (Texte zusätzlich lokal ablegen, keine komplexen Sammlungen im Baukasten aufbauen). Wer so startet, kann später mit überschaubarem Schmerz aufsteigen. Wer den Baukasten als Dauerlösung bezieht, zahlt die Rechnung am Ende.

Der Test für jedes Angebot

Egal ob Baukasten, Agentur oder Bekannter des Bekannten, stell vor der Entscheidung die drei Fragen aus Kapitel 7: Komm ich an meine Inhalte? Wo liegen sie? Was kostet der Exit? Bei einer Website heißt das konkret: Verlang zu wissen, in welchem Format du deine Inhalte herausbekommst und wem die Domain gehört. Eine Agentur, die auf diese Fragen keine klare Antwort gibt, baut dir ein Mietverhältnis, kein Eigentum.

Womit die Adresse und das Haus geklärt wären. Weiter geht’s mit der Einrichtung: dem Werkzeugkasten aus Software-Abos, der bei den meisten Unternehmen leise wuchert, bis ihn niemand mehr überblickt.