Wenn du aus diesem Manual nur ein einziges Kapitel umsetzt, dann dieses. Alles andere lässt sich später reparieren: Eine Website kann man neu bauen, ein Tool kann man tauschen, ein Abo kündigen. Eine Adresse, unter der dich fünf Jahre lang Kunden, Google und hundert Visitenkarten kennen, tauscht man praktisch nie wieder. Deshalb steht diese Entscheidung am Anfang, noch vor der ersten Zeile Website.
Warum die Domain vor allem anderen kommt
Deine Domain ist die einzige digitale Adresse, die dir gehören kann. Alles, was du unter ihr aufbaust, bleibt bei einem Wechsel erhalten: Rankst du bei Google, rankt deine Domain. Verlinkt dich wer, verlinkt er deine Domain. Steht sie auf Auto, Schild oder Rechnung, bleibt sie gültig, egal welcher Hoster gerade dahinter werkt.
Gründest du dagegen auf deinname.wixsite.com oder wirbst mit deinname@gmail.com, zahlt jeder dieser Effekte auf fremden Grund ein. Der Tag, an dem du auf eine eigene Adresse wechselst, ist dann ein Neustart bei null: Rankings weg, Links tot, Drucksorten Altpapier. Je später der Tag kommt, desto teurer wird er. Deshalb: Domain zuerst, auch wenn die Website noch Monate entfernt ist. Eine Domain mit einer „Bald geht’s los”-Seite ist völlig okay und sammelt schon Alter bei Google.
Die Domain auswählen, ohne sich zu verkünsteln
Ein paar Erfahrungswerte, keine Wissenschaft:
Die Endung: Für ein Geschäft in Österreich ist .at die naheliegende Wahl, Kunden erwarten sie und Google versteht den Länderbezug. .com daneben zu sichern schadet nie, wenn sie frei ist. Von exotischen Endungen als Hauptdomain würd ich absehen, sie wirken auf klassische KMU-Kundschaft schnell unseriös.
Der Name: Kurz, sprechbar, tippbar. Der Telefontest hilft: Sag die Adresse laut am Telefon. Wenn du buchstabieren oder „mit Bindestrich!” rufen musst, such weiter. Umlaute im Namen sind charmant, aber nimm zusätzlich die Schreibweise mit ae/oe/ue dazu, sonst landet ein Teil deiner Kundschaft im Leeren.
Prüfen vor dem Kauf: Eine Minute investieren und schauen, ob der Name als Firma oder Marke schon wem gehört. Markenregister, Google, Firmenbuch. Das erspart dir den Anwaltsbrief im zweiten Geschäftsjahr.
Die eine eiserne Regel
Registriere die Domain selbst, in deinem eigenen Account, direkt bei einem Registrar. Bei einem österreichischen oder EU-Anbieter (World4You, easyname, INWX und Kollegen), eine .at kostet im ersten Jahr oft 6 bis 15 EUR (Lockangebote), ab dem zweiten Jahr je nach Registrar 13 bis 36 EUR. Schau vor der Registrierung auf den Verlängerungspreis, der Erstjahrespreis sagt wenig.
Was du dabei niemals tust: die Domain „gratis dazu” über den Website-Baukasten nehmen oder sie von der Agentur, dem Bekannten oder dem Schwager „mitverwalten” lassen. Eine Domain, die im Account eines Dritten liegt, ist eine Geisel. Zerstreitest du dich, sperrt der Baukasten dein Konto oder ist die Agentur irgendwann weg vom Fenster, verhandelst du um deine eigene Geschäftsadresse. Ich hab solche Befreiungsaktionen beruflich schon begleitet, sie sind immer teurer als die 20 EUR, die die Domain im Eigenbesitz gekostet hätte.
Zwei Handgriffe direkt nach der Registrierung: Zwei-Faktor-Authentifizierung auf den Registrar-Account, und die Zugangsdaten in den Passwortmanager (Kapitel 7, Punkt 5). Dieser Account ist ab jetzt einer der drei wichtigsten deines Unternehmens.
E-Mail: die eigene Adresse ist der halbe Auftritt
Mit der Domain in der Hand ist die E-Mail eine Kleinigkeit, und sie verändert sofort, wie du wahrgenommen wirst. office@deinedomain.at auf einem Angebot wirkt anders als eine Gmail-Adresse, und das ist der kleinste Vorteil.
Der größere: Deine gesamte Geschäftskorrespondenz, mit allem an Kundendaten, das darin steckt, liegt dann bei einem Anbieter deiner Wahl statt bei einem US-Werbekonzern. Für deine DSGVO-Aufstellung (Kapitel 5) ist das der Unterschied zwischen einem sauberen Satz und einer Dauerbaustelle.
Souverän: Postfach bei einem EU-Anbieter wie Mailbox.org (Deutschland, ab rund 3 EUR im Monat) oder Infomaniak (Schweiz). Beide sprechen IMAP, damit ist auch der spätere Umzug zu wem anderem trivial.
Pragmatisch: Das Mail-Hosting, das beim Registrar ohnehin dabei ist, reicht für den Start. Entscheidend ist die eigene Domain nach dem @, das Postfach dahinter bleibt tauschbar.
Der Umzugstrick, falls du schon auf Gmail gründest: Neue Adresse einrichten, in der alten eine Weiterleitung plus Abwesenheitsnotiz mit der neuen Adresse, und ein Jahr lang beides behalten. Danach stirbt die alte Adresse leise.
Ein technisches Detail noch, das du einmal erledigst und dann vergessen darfst: SPF, DKIM und DMARC. Das sind drei DNS-Einträge, die belegen, dass Mails von deiner Domain von dir kommen. Ohne sie landen deine Angebote überdurchschnittlich oft im Spam-Ordner deiner Kunden. Jeder brauchbare Mail-Anbieter liefert dafür eine Anleitung zum Durchklicken, und wenn dir das zu viel ist, ist es eine Viertelstunde Auftrag für jemanden wie mich.
Das Fundament steht
Domain im eigenen Account, E-Mail auf eigener Adresse, Zwei-Faktor drauf: Damit ist das Fundament gelegt, auf dem der Rest dieses Manuals aufbaut. Alles ab jetzt, Website, Tools, Newsletter, docken an diese Adresse an und bleiben dadurch tauschbar. Weiter geht’s mit dem Teil, bei dem die meisten Gründungen in die Miete statt ins Eigentum rutschen: der Website.