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Digital Unabhaengig 2. Oktober 2026 8 min Lesezeit

Was eine WordPress-Seite wirklich kostet, wenn du sie selbst baust

WordPress ist gratis, die Website darauf nicht. Lizenzen, Hosting und vor allem deine Stunden im Vergleich zu einer statischen Seite vom Profi, mit Rechner zum Selbstausfüllen.

Du brauchst eine Website. WordPress kostet nichts, auf YouTube erklärt dir jemand in 40 Minuten, wie es geht, und ein verregnetes Wochenende findet sich auch. So fangen die meisten an. Ich kenn das gut: thelgb.net lief selbst jahrelang auf WordPress, bis ich im März 2026 alle 41 Artikel herausgeholt und auf eine statische Seite umgezogen habe.

Hier rechne ich nach, was so ein Selbstbau über drei Jahre kostet. Einmal in Euro, mit Preisen direkt von den Herstellerseiten, Stand Oktober 2026. Und einmal in Stunden, denn die tauchen in keiner Rechnung auf, obwohl sie meistens der größte Posten sind.

Gratis ist nur der Download

WordPress selbst ist Open Source und kostet nichts. Damit daraus eine Website wird, die online ist, gut aussieht, rechtlich passt und bei Google auftaucht, kaufen die meisten einiges dazu:

PostenBeispielPreis pro Jahr
Hostingworld4you WP Grow24 € im ersten Jahr, danach 96 €
Domain (.at)world4youim ersten Jahr gratis, danach 36 €
Page-BuilderElementor Pro Essential72 €
Premium-ThemeGeneratePress Premiumrund 64 €
Cookie-BannerBorlabs Cookie, Real Cookie Banner Proje rund 59 €
SEOYoast SEO Premiumrund 143 €
BackupUpdraftPlus Premium84 €
SicherheitWordfence Premiumrund 161 €
KontaktformularWPForms Basicrund 53 € im ersten Jahr, danach rund 107 €

Alle Preise sind brutto mit 20 % Umsatzsteuer, so wie sie dich als Privatperson oder Kleinunternehmer treffen. Viele Hersteller zeigen auf der Preisseite den Nettobetrag, die Steuer kommt erst an der Kassa dazu. Dollarpreise habe ich mit 0,90 umgerechnet.

Daraus lassen sich zwei typische Setups bauen, beide ohne Domain, weil du die bei jeder Variante brauchst:

  • Sparsam: world4you WP Grow, GeneratePress Premium und Borlabs Cookie, alles andere in der Gratis-Version. Über drei Jahre rund 590 €.
  • Typisch: world4you WP Business, Elementor Pro, Real Cookie Banner Pro, Yoast SEO Premium und UpdraftPlus Premium. Über drei Jahre rund 1.540 €.

Das klingt überschaubar, und beim reinen Geld ist WordPress oft billiger als eine Seite vom Profi. Der Haken steckt woanders.

Der Trick mit dem ersten Jahr

Fast jedes Angebot rund um WordPress ist im ersten Jahr am günstigsten. world4you verlangt für WP Grow 2 € im Monat, ab dem zweiten Jahr 8 €. Die Domain gibt es im ersten Jahr dazu, danach kostet sie extra. Bei WPForms und Astra steht es sogar direkt auf der Preisseite: „all renewals are at full price“. Das sparsame Setup kostet dich im ersten Jahr rund 150 €, ab dem zweiten rund 220 €, mit Domain gut 250 €.

Dazu verlängert sich praktisch alles automatisch. Wer nicht aktiv kündigt, zahlt weiter. Und der Shop legt dir gern das größere Paket hin: Elementor One mit KI-Credits kostet im ersten Jahr 216 €, dreimal so viel wie Elementor Pro Essential, und verlängert danach zum Listenpreis.

Was passiert, wenn du kündigst

Angenommen, nach zwei Jahren reicht es dir und du kündigst die Lizenzen. Die Seite bleibt online, aber:

  • Bei Elementor Pro werden deine Pro-Elemente weiter angezeigt, bearbeiten kannst du sie nicht mehr.
  • Sicherheitsupdates gibt es bei fast allen Premium-Plugins nur mit aktiver Lizenz. Das Plugin läuft weiter und wird nicht mehr gepflegt.
  • Bei Complianz lassen sich die Rechtstexte nicht mehr bearbeiten, bei WPForms die Formulare nicht mehr ändern.

Das ist der eigentliche Lock-in. Wer später umziehen will, merkt außerdem, dass der Page-Builder die Inhalte in seinem eigenen Format abgelegt hat. Beim Export kommt Shortcode-Salat heraus, den jemand Seite für Seite aufräumen muss. Genau das macht eine Migration teuer.

Die Rechnung, die keiner aufmacht: deine Stunden

Jetzt der Posten, der in keiner Preistabelle steht. Theme aussuchen, Builder lernen, Plugins installieren und aufeinander abstimmen, Cookie-Banner konfigurieren, herausfinden, warum das Kontaktformular keine Mails verschickt. Wer das zum ersten Mal macht, ist mit 30 Stunden eher knapp dran. Stunden, in denen du dich durch Einstellungsmasken klickst, die du nur halb verstehst, und die du lieber in dein eigentliches Geschäft stecken würdest.

Danach geht es weiter. Updates einspielen, nachschauen, ob danach noch alles funktioniert, ein Plugin ersetzen, das nicht mehr gepflegt wird. Zehn Stunden im Jahr sind dafür realistisch, in einem schlechten Jahr deutlich mehr.

Probier es selbst aus. Stell deinen Stundensatz ein und schätze deine Stunden. Unter „WordPress-Setup anpassen“ kannst du die einzelnen Posten tauschen.

Mit den Startwerten (50 € pro Stunde, 30 Stunden Einrichtung, 10 Stunden im Jahr, drei Jahre) kostet WordPress rund 3.600 €, davon 3.000 € in Form deiner Zeit. Die statische Seite vom Profi kommt auf rund 1.900 €. Ab etwa 20 € pro Stunde ist der Profi günstiger. Wer seine eigene Zeit mit null bewertet, fährt mit WordPress billiger. Alle anderen sollten nachrechnen.

Ein ganzes CMS für acht Änderungen im Jahr

Die meisten kleinen Firmen ändern ihre Website selten. Neue Öffnungszeiten, ein Foto, ein neuer Preis, vielleicht eine zusätzliche Leistung. Für diese Handvoll Änderungen betreibst du mit WordPress ein komplettes Content-Management-System mit Datenbank, Login, einem Dutzend Plugins und einer PHP-Version, die dein Hoster irgendwann anhebt. Spätestens dann zeigt sich, welches Plugin nicht mehr gepflegt wird, und im schlimmsten Fall bleibt die Seite weiß.

Dazu kommt die Sicherheit. Patchstack zählt in seinem Bericht für 2025 genau 11.334 neue Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld, 42 % mehr als im Jahr davor. 91 % davon steckten in Plugins, 9 % in Themes, im WordPress-Kern selbst nur sechs Stück. Fast die Hälfte war noch nicht behoben, als sie öffentlich wurde. Jedes Plugin, das du installierst, ist eine zusätzliche Tür, um deren Schloss sich jemand anderer kümmern muss.

Im Sommer 2022 bekamen in Österreich tausende Unternehmen Post von einem Anwalt: 190 € Forderung, weil ihre Website Google Fonts direkt von Google-Servern geladen hatte. futurezone schätzte rund 10.000 Empfänger. Das Bezirksgericht Favoriten stufte das Vorgehen 2023 als rechtsmissbräuchlich ein, der Schreck saß trotzdem.

Die Geschichte zeigt ein Grundproblem. Viele Themes und Plugins laden Schriften, Skripte und Statistik von fremden Servern nach, oft ohne dass du es merkst. Deshalb brauchst du einen Cookie-Banner, und deshalb kaufst du ein Plugin dafür. Eine Website, die ihre Schriften selbst ausliefert und auf Tracking verzichtet, braucht keinen Banner. Der Posten fällt weg, und deine Besucher müssen nichts wegklicken.

Die Alternative: eine statische Seite

Eine statische Website besteht aus fertigen HTML-Dateien. Es gibt keine Datenbank, kein Login und keine Plugins, also nichts, das jemand hacken kann, und nichts, das du updaten musst. Ich baue solche Seiten mit Astro, einem Open-Source-Werkzeug, das aus Textdateien und Vorlagen eine schnelle Website erzeugt. Wie schnell, zeigt ein Kundenprojekt: Dort schrumpfte eine Seite beim Umzug von 500 bis 750 KB auf 32 bis 55 KB.

Und Änderungen? Die Inhalte liegen als Markdown-Dateien vor, das ist normaler Text mit ein paar Zeichen für Überschriften und Fettdruck. Das lässt sich in jedem einfachen Texteditor bearbeiten, so wie eine Notiz. Viele finden das einfacher als eine WordPress-Maske, weil sie nicht durch fünf Menüs klicken müssen, um ein Wort zu ändern. Noch bequemer: Du schickst mir eine Mail mit der Änderung, und kurz darauf ist sie online.

So läuft es bei der Booking-Agentur YA MAN!, die von Wix auf eine statische Seite umgezogen ist. Hosting und Pflege kosten dort 180 € im Jahr, zwei Stunden Änderungen sind inklusive. Ich rechne im 15-Minuten-Takt ab, das reicht für rund acht kleine Änderungen im Jahr. Die ganze Geschichte steht in der Case Study zu YA MAN!.

Fairerweise: Eine statische Seite kannst du auch selbst bauen und gratis hosten, etwa bei Cloudflare Pages. Dann zahlst du nur die Domain. Dafür sitzt du allerdings wieder selbst stundenlang davor, nur mit anderen Werkzeugen.

Wann WordPress trotzdem passt

WordPress hat seine Berechtigung, für die meisten kleinen Websites ist es nur zu groß. Gut passt es, wenn

  • mehrere Leute regelmäßig Inhalte einpflegen, etwa in einer Redaktion,
  • jede Woche neue Beiträge erscheinen,
  • du einen Shop mit WooCommerce oder einen Mitgliederbereich brauchst.

Ob das auf dich zutrifft, zeigt dir das Quiz Brauche ich für meine Website WordPress? in sechs Fragen. Wer so etwas betreibt, ist mit WordPress gut bedient. Dann aber mit einem klaren Plan, wer sich um Updates und Backups kümmert.

Fazit

WordPress kostet wenig Geld, solange du deine eigene Zeit nicht mitrechnest. Sobald du das tust, kippt die Rechnung schnell. Die eigentliche Frage ist, wer deine Stunden bezahlt, und ob du sie lieber mit Plugin-Updates oder mit deinem Geschäft verbringst.

Quellen


Du startest neu und willst eine Website, die einfach läuft? Eine statische Seite baue ich ab 1.200 €, Hosting und Pflege kosten danach 180 € im Jahr. Hast du schon eine WordPress-Seite und willst raus, gibt es dafür die WordPress-Ablöse. Und wenn du dich erst einlesen willst: Im kostenlosen Manual gibt es ein eigenes Kapitel zur Website ohne Lock-in. Oder du schreibst mir einfach.