CleanYourTV ausprobiert: unser CHiQ-Fernseher ohne Werbung
18 Pakete deaktiviert, ein neuer Startbildschirm und eine Fernbedienung, die jetzt macht, was wir wollen. Was beim Entrümpeln unseres Android-Fernsehers funktioniert hat, was nicht und was uns dabei aufgefallen ist.
Unser Fernseher ist ein CHiQ AI PONT, die Marke von Changhong, mit Android TV 11. Der letzte Sicherheitspatch ist vom Juni 2025, seither kam nichts mehr. Unter der Haube steckt ein 32-Bit-Chip von MediaTek mit 1,3 GB RAM und einer Grafik, die nur OpenGL ES 2.0 kann. Ein Einstiegsgerät also, das der Hersteller schon länger nicht mehr pflegt, das aber brav weiter Werbekacheln lädt.
Am 30. Oktober 2026 haben wir ihn mit CleanYourTV entrümpelt. Das ist ein freies Open-Source-Projekt, das bei Android-Fernsehern über ADB Hersteller-Apps und Werbedienste abschaltet und einen neuen Startbildschirm installiert. Wie das geht, erklärt das Projekt selbst am besten, auf cleanyour.tv und im Repository auf GitHub. Hier steht, was wir gemacht haben und wie es gelaufen ist.
Was wir abgeschaltet haben
Für genau unser Modell gab es im Projekt schon eine getestete Liste. Daran haben wir uns gehalten, mit ein paar eigenen Entscheidungen. Insgesamt sind 18 Pakete deaktiviert, gelöscht wurde nichts. Wir sind in drei Runden vorgegangen und haben nach jeder Runde geschaut, ob der Fernseher noch alles kann.
Runde 1, Tracking und Werbung. Hier saß das Interessanteste:
tv.anoki.acr.controller: die Inhaltserkennung (ACR). Die stammt von einer Drittfirma, Anoki, und gleicht ab, was gerade am Bildschirm läuft.com.cltv.fast: sogenannte FAST-Kanäle, also werbefinanzierte Gratissender, die sich in die Senderliste mischen.- dazu die Empfehlungen von Google, eine Hersteller-App namens AI PONT und ein Dienst, der automatisch Apps nachinstalliert.
Runde 2, Hersteller-Kram. App-Store und Hilfe-App von Homwee (dem Softwarelieferanten von CHiQ), ein App-Updater, und von Google Feedback, Play Games, YouTube Music, Google TV Videos, der Bildschirmschoner mit Fotos und die Kalender-Synchronisation.
Runde 3, unsere persönliche Wahl. Google Assistant, Bildschirmspiegelung (Miracast und AirPlay) und die Alexa-Steuerung. Das braucht bei uns niemand.
Bewusst behalten haben wir Chromecast und den Firmware-Updater. Dazu kommt ein unscheinbares Paket von Google mit dem Namen partnercustomizer. Ohne das stürzt nach dem nächsten Neustart der TV-Dienst des Herstellers ab, und die Input-Taste geht nicht mehr. Genau für solche Fälle sind die Listen im Projekt Gold wert.
Nach einem Neustart blieb alles deaktiviert, Antennenempfang und Live TV liefen wie vorher.
Die Werbung am Startbildschirm war damit aber nicht weg. Nach allen drei Runden zeigte der alte Startbildschirm oben immer noch groß einen Horrorfilm von Google TV, darunter Reihen mit Empfehlungen. Die kommen aus dem Startbildschirm selbst und lassen sich nicht einzeln abschalten. Erst der neue Launcher hat das erledigt.
Der neue Startbildschirm
Statt der Kachelwand mit Empfehlungen gibt es jetzt einen schwarzen Startbildschirm mit fünf Apps im Dock: Live TV, SmartTube, Netflix, Jellyfin und Prime Video. Der Fernseher startet direkt dort und nicht mehr im Live-TV-Bild.
Bei der Fernbedienung haben wir nachgeholfen. Die Taste mit dem Kästchen führt zum neuen Startbildschirm. Die Google-Play-Taste, die wir nie gebraucht haben, öffnet jetzt SmartTube. Die Live-TV-Taste schaltet zwischen Fernsehbild und Programmführer hin und her. Für das Zurückschalten aus dem Programmführer mussten wir den Launcher an einer Stelle selbst anpassen, 17 Zeilen Code, die es so im Projekt nicht gibt.
Hat es funktioniert?
Ja. Die Werbung ist weg, der Fernseher zeigt nur noch, was wir schauen, und die Inhaltserkennung ist abgeschaltet. Ein paar Kompromisse gibt es trotzdem:
- Lautstärke halten wiederholt nicht mehr. Solange der kleine Tasten-Helfer läuft, der die Tasten umlegt, geht die Lautstärke pro Druck nur einen Schritt. Ohne Helfer läuft sie durch, dafür funktionieren Kästchen und Live-TV-Taste nicht. Wir haben uns für die Tasten entschieden. Das Phänomen ist im Projekt auch von anderen Fernsehern bekannt.
- Die Haus-Taste tut nichts. Die Firmware fängt sie ab, bevor irgendeine App sie sieht. Das lässt sich ohne Root nicht ändern.
- Einmal hing der Tasten-Helfer. Nach der Installation war er eingeschaltet, aber nicht aktiv. Wir kamen aus Netflix nicht mehr heraus. Ein Neustart des Dienstes hat das gelöst, seither bindet er sich nach jedem Neustart zuverlässig.
Was uns sonst aufgefallen ist
Alte Hardware ist das eigentliche Problem. Wir wollten den Browser Brave installieren. Die aktuelle Version startet und stürzt sofort ab, weil moderne Chromium-Versionen mehr Grafik brauchen, als OpenGL ES 2.0 hergibt. Es läuft nur eine ältere Version, passend zum Stand, auf dem der Fernseher stehengeblieben ist. Die darf nie aktualisiert werden und bekommt damit auch keine Sicherheitsupdates mehr. Zum Herumsurfen und für ein Dashboard reicht das, für Logins und Banking nicht.
Der Fernseher zeigt seine eigene IP-Adresse nicht an. Wir mussten sie über das Netzwerk herausfinden. Das ist eine Kleinigkeit, aber genau so eine, an der man allein hängen bleibt.
Die Hersteller verstecken Einstellungen. Eine angeschlossene Funktastatur tippt im US-Layout, und das Menü für physische Tastaturen hat CHiQ einfach ausgeblendet. Das steht noch auf der Liste.
Am Ende die Tür wieder zumachen. Für das Entrümpeln braucht man das Debugging über das Netzwerk. Wer das danach eingeschaltet lässt, hat einen Fernseher, der jedem Gerät im WLAN eine Kommandozeile anbietet, sobald jemand den Dialog am Bildschirm bestätigt. Wir haben danach alle Freigaben widerrufen, das Debugging ausgeschaltet und geprüft, dass der Fernseher keine Verbindung mehr annimmt.
Und: Jenny hätte das allein nie gemacht. Man braucht einen Laptop mit Java und Android SDK, ein bisschen Kommandozeile und Geduld, wenn etwas nicht wie erwartet läuft.
Genau deshalb biete ich das jetzt in Salzburg an: Ich komme vorbei, entrümple deinen Android- oder Google-TV und mache die Tür danach wieder zu. Preise, Geräteliste und Anfrage