Claude Duet und OpenAI dots gibt's nicht in der EU. Meiner läuft trotzdem.
Claude Duet und OpenAI dots gibt's nicht in der EU. Was ich stattdessen nutze, selbst gehostet und DSGVO-konform. Teil 1.
Ende September hat OpenAI dots vorgestellt, kurz darauf kam Anthropic mit Claude Duet. Beide versprechen dasselbe: einen persönlichen Agenten, der deine Mails, Termine und Rechnungen im Blick hat, Aufgaben im Hintergrund erledigt und sich meldet, wenn etwas deine Aufmerksamkeit braucht.
Der Haken für uns hier: dots gibt es im Pro-Abo ausdrücklich nicht im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien. Duet läuft als Research Preview mit Warteliste und vorerst nur für Nutzer in den USA. Wer in Österreich oder Deutschland so etwas will, schaut also durch die Finger.
Ich hab mir beide Ankündigungen genau angesehen und festgestellt: Das meiste davon läuft bei mir schon länger. Auf eigenem Server, mit einem Modell aus der EU und in einem Chat, der mir selbst gehört. Eine Sache fehlt noch, und genau die ist der Kern von Duet und dots. Die baue ich jetzt nach, und darüber schreibe ich in Teil 2.
Was die beiden versprechen
Kurz zusammengefasst, Stand Oktober 2026:
- Claude Duet hat eine eigene virtuelle Maschine mit Browser, prüft verbundene Konten alle paar Stunden, schickt jeden Morgen ein Briefing und erledigt größere Aufgaben im Hintergrund. Lesen und Entwerfen macht Duet selbst. Vor dem Senden, Bezahlen, Unterschreiben oder Löschen zeigt es dir, was es vorhat, und wartet auf deine Freigabe.
- OpenAI dots sind benannte, dauerhafte Assistenten in ChatGPT, jeder mit eigenem Rechner in der Cloud, erreichbar über ChatGPT, Slack und Teams, mit Anbindung an tausende Apps.
Beides ist gut gemacht. Und bei beiden liegen deine Mails, dein Kalender und deine Buchhaltung bei einem US-Anbieter, der sie in seiner eigenen Cloud verarbeitet.
Was bei mir läuft
Mein Agent sitzt in Nextcloud Talk, also im Chat meiner eigenen Nextcloud. Ich schreib ihm vom Handy oder vom Rechner, er antwortet dort, und wenn er etwas von mir will, krieg ich eine echte Push-Benachrichtigung aufs Handy.
Was er im Alltag macht:
- Kalender: Termine abfragen und anlegen. Anlegen erst, nachdem ich bestätigt habe.
- Kontakte: nachschlagen in meinem ERP, ohne dass ich es aufmachen muss.
- Eingangsrechnungen: Ich hänge ein PDF in den Chat oder leite die Mail an eine eigene Adresse weiter. Der Agent liest den Beleg, legt ihn als Entwurf in der Buchhaltung an und schickt mir eine Mail zur Freigabe. Buchen tu ich dann selbst, nachdem ich draufgeschaut hab. So hab ich im August die Belege des laufenden Jahres nachgetragen.
- Kassenbons: Foto vom Lidl-Bon in den Chat, der Agent liest Artikel, Preise und Rabatte aus und legt alles in einer Tabelle ab. Damit seh ich, was ich ausgebe und was mir die Aktionen bringen.
- Ein bissl Quatsch: Jeden Morgen um acht fragt er „Schon auf?”. Wann ich antworte, landet in einer Tabelle. Seither weiß ich, wann ich in der Früh tatsächlich ansprechbar bin.
Dazu kommen meine Projekte. Damit der Chat übersichtlich bleibt, hat jedes davon einen eigenen Raum in Talk:
- romantischfuersherz: Eine Kette baut Posts für einen Insta-Account und legt mir jeden Entwurf in Talk vor. Daumen hoch, und er geht auf Instagram, Mastodon und Bluesky raus. Daumen runter, und das System baut ihn neu. Schreib ich einen Kommentar dazu, fließt der als Hinweis ins nächste Design ein.
- Mr Lava Lava: Mein automatisierter Chill-Kanal meldet jedes Video, sobald es draußen ist, mit den Links zu YouTube, Instagram, Facebook, Mastodon und Bluesky. Ein Blick in den Raum, und ich weiß, ob der Tag gelaufen ist.
- n8n-Fehler: Steigt irgendwo ein Workflow aus, landet die Meldung in einem eigenen Raum. Die anderen Räume bleiben ruhig, und ich seh auf einen Blick, ob alles läuft.
Ein Großteil davon funktioniert übrigens ganz ohne KI. Die meisten Meldungen sind vorbereitete Nachrichten, die ein Trigger auslöst: Video ist online, Workflow ist ausgestiegen, es ist acht Uhr. Das ist billig, schnell und macht nie einen Fehler beim Formulieren. Ein Sprachmodell kommt erst dort dazu, wo wirklich etwas gelesen oder verstanden werden muss, also bei Belegen, Bons und wenn ich frei mit dem Agenten schreibe. Entsprechend überschaubar ist die Rechnung: Die Modellaufrufe bei Mistral haben mich in den letzten drei Monaten zusammen 63 Cent gekostet.
Wie das gebaut ist
Eine Anleitung gibt’s hier bewusst keine, jedes Setup schaut anders aus. Die Bausteine sind aber kein Geheimnis:
- n8n als Rückgrat. Jede Fähigkeit des Agenten ist ein eigener Workflow, den ich einzeln testen und abschalten kann.
- Nextcloud für Chat, Kalender und Dateien. Läuft ohnehin, also bleiben die Daten dort, wo sie schon sind.
- Odoo für Kontakte und Buchhaltung.
- Mistral aus Paris für Belege und Buchhaltung, alles andere läuft über ein lokales Modell mit Ollama.
- Claude Code für die kreative Arbeit an den Insta-Posts. n8n stößt den Bau per SSH auf einem Rechner an, auf dem Claude Code eingeloggt ist. Das läuft über mein bestehendes Abo, und es gehen dabei nur öffentliche Inhalte raus. Festgenagelt ist das nicht: n8n stupst nur einen Skill im Harness an, und der läuft der Einfachheit halber auf Claude. Genauso gut könnte dort jedes andere Modell arbeiten, auch ein lokales.
- Alles zusammen auf einem eigenen Server bei einem Hoster in der EU.
Wichtiger als die Werkzeuge sind ein paar Grundsätze, die ich von Anfang an fix eingebaut hab:
- Lesen darf der Agent selbst, alles mit Folgen braucht meine Freigabe. Termine, Buchungen, Mails nach außen.
- Das Modell sieht nie ein Passwort. Zugangsdaten liegen verschlüsselt in n8n, der Agent ruft nur fertige Werkzeuge auf.
- Fremde Inhalte sind Daten und nie Befehle. Eine Rechnung kann Text enthalten, der wie eine Anweisung ausschaut. Deshalb hat der Teil, der Belege liest, gar keine Werkzeuge. Er kann nur ein Formular ausfüllen. Damit gibt es keinen Weg von einem präparierten PDF zu einer Aktion.
Lustigerweise sind das genau die Prinzipien, mit denen Anthropic Duet bewirbt. Wer sich mit Agenten ernsthaft beschäftigt, landet offenbar am selben Punkt.
Der Vergleich
| Claude Duet | OpenAI dots | Mein Setup | |
|---|---|---|---|
| Wo läuft es | Anthropic-Cloud | OpenAI-Cloud | eigener Server in der EU |
| Wo liegen die Daten | USA | USA | bei mir, nur öffentliche Inhalte gehen raus |
| Kanal | eigene App, claude.ai | ChatGPT, Slack, Teams | Nextcloud Talk |
| Freigabe vor Aktionen | ja | Lesemodus angekündigt | ja |
| Meldet sich von selbst | ja | ja | pro Projekt ja, quer drüber noch nicht |
| Verfügbar in Österreich | nein, vorerst nur USA | nein, Pro ohne EWR | ja |
| Kosten | im Claude-Abo | im ChatGPT-Abo | Server, dazu 63 Cent Mistral in drei Monaten |
Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch Open-Source-Agenten wie Hermes von Nous Research, die man selbst hosten kann. Spätestens seit OpenClaw verfolge ich die Entwicklungen in diesem Bereich intensiv. Spannend, aber für mich wären das zwei Agenten nebeneinander gewesen, weil alle meine Anbindungen schon in n8n hängen.
Was noch fehlt
Meine Projekte melden sich zwar von selbst, aber jedes nur für sich. Der Agent selbst redet bisher nur, wenn ich ihn anschreibe. Genau da sind Duet und dots weiter: Sie schauen regelmäßig quer über alles drüber und melden sich, wenn etwas los ist.
Das bau ich jetzt in zwei Schritten nach:
- Ein echtes Morgen-Briefing statt nur „Schon auf?”: Termine des Tages samt Überschneidungen, fällige Aufgaben, offene Rechnungen, unbeantwortete Kundenmails, und ob über Nacht ein Workflow ausgestiegen ist. Dazu kommt mein tägliches Tech-Briefing, das ich jetzt schon per Mail bekomme. Das soll künftig vorher durch ein Modell laufen, das weiß, welche Software ich betreibe. Steht dort etwa ein Sicherheitsupdate für n8n oder Nextcloud drin, krieg ich das gleich im Chat, samt dem, was ich tun muss. Der Rest bleibt in der Mail.
- Ein Wächter, der tagsüber alle paar Stunden nachschaut und nur dann schreibt, wenn eine meiner Regeln zutrifft.
Beim Wächter mach ich es bewusst anders als die Großen. Ob etwas aus meinen eigenen Systemen dringend ist, entscheiden bei mir feste Regeln, die ich selbst pflege, etwa „Kundenmail seit einem Tag ohne Antwort”. Das Modell formuliert am Ende nur die Nachricht. Anthropic schreibt selbst, dass Duet Dringlichkeit manchmal falsch einschätzt. Ein Agent, der mich dreimal am Tag wegen nichts anpingt, ist schnell abgedreht.
Wie sich das in der Praxis schlägt, wie viele Meldungen kommen und wie viele davon unnötig sind, steht in Teil 2.
Kurz gefragt
Gibt es Claude Duet in Österreich? Stand Oktober 2026 nicht. Duet läuft als Research Preview mit Warteliste und vorerst nur für Nutzer in den USA mit Pro- oder Max-Abo.
Ist OpenAI dots in der EU verfügbar? Im Pro-Abo nicht, OpenAI schließt den Europäischen Wirtschaftsraum, die Schweiz und Großbritannien ausdrücklich aus. Für Business-Kunden gibt es dots in den unterstützten ChatGPT-Regionen.
Geht so ein Agent DSGVO-konform? Ja, wenn Chat, Kalender und Daten auf eigener oder EU-gehosteter Infrastruktur liegen und das Sprachmodell aus der EU kommt oder lokal läuft. Bei mir sind das Nextcloud, n8n und Mistral bzw. Ollama, und Aktionen mit Folgen brauchen immer eine Freigabe.
So was für dich?
Wenn du dir einen Agenten wie diesen für deinen Betrieb wünschst, mit deinen eigenen Werkzeugen, auf deinem Server oder einem in der EU und mit Freigaben dort, wo du sie willst: Genau das baue ich im Rahmen meiner KI-Integration zum Festpreis zwischen 1.800 und 5.000 Euro. Schreib mir, dann schauen wir, was du davon brauchst.